Nach langem Flug mit Zwischenstop in London komme ich in Vancouver an. Es kribbelt: Glücksgefühle. Hier bin ich also, in Nordamerika. Am Flughafen begrüßen mich zwei wunderschön geschnitzte Holzfiguren, die mich auf die berühmten Totempfähle im Stanleypark freuen lassen. Aber: Noch hat man mich aber nicht reingelassen, in mein Abenteuer. An dem Grenzbeamten führt kein Weg vorbei. Ein paar Fragen zu meinen Plänen in Kanada und ein Blick in meinen Reisepass folgen, dann ist er überzeugt: Die tut nichts. Er winkt mich durch, vielen Dank.

Meine Unterkunft: ein Camper

Unser Camper, ein RV

Unser Camper

Parkende Autos vor einem Walmart

Walmart Parkplatz

Die erste Nacht verbringe ich im Hostel, dann ziehe ich in den Camper um, den sich Alex extra für seine Reise gekauft hat. Es ist ein 40 Jahre alter RV, der Alex während seiner Reise schon ein paar Pannen beschert hat, ich bin gespannt. Abends stellen wir uns auf den Walmart Parkplatz, dort übernachten wir. Der Supermarkt liegt etwas außerhalb, wir durchqueren auf dem Weg dorthin den Stanleypark, ich kann zuerst gar nicht glauben dass durch den Park eine Straße führen soll, ist aber so. Der Vorteil auf dem Parkplatz zu übernachten liegt auf der Hand: Man wird in Ruhe gelassen. Zur später Stunde parkende RV’s werden nämlich gar nicht gerne gesehen. Overnightparking ist ausdrücklich nicht erwünscht, genügend Schilder weisen darauf hin „No RVs“, „No Overnightparking“. Auch bei Walmart, aber hier wird das wohl geduldet, so scheint es. Wir sind auch nicht die einzigen die hier übernachten. Morgens fahren wir dann in die Stadt zurück und besuchen mein altes Hostel – dort hüpfen wir erstmal unter die Dusche und stärken uns mit mit einem Frühstück bevor wir in den Tag starten. Das ist natürlich nicht ganz legal weil ich ja eigentlich schon ausgecheckt bin. Wir haben uns an der Rezeption vorbeigeschlichen – wo sich die Duschen befinden hatte ich ja schon vorher ausgekundschaftet. Zu meiner Rechtfertigung: Ist besser als zu stinken.

Gastown: Gassy Jack und Steamclock

Gastown, Vancouvers ältestes Stadtteil verströmt einen ganz eigenen Charme: Kopfsteinpflaster, blumenbehangene Straßenlaternen, kleine Geschäfte, hübsche Cafés und Bars verzaubern die Besucher. Die berühmte Steamclock und eine Statue von Gassy Jack befinden sich hier. Gassy Jack war ein für seine Redseligkeit berühmt gewordener Bürger Vancouvers. Nach ihm wurde das Stadteil Gastown benannt, eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Im Viertelstunden Takt pfeift die Uhr und bläst Dampf auf Straße und Besucher.

Kunst: Haida und Jade

Holzschnitzerei in einer Galerie

Holzschnitzerei in einer Galerie

In Vancouver finden sich einige Kunstgalerien, in welchen man die Haida-Kunst typischen Bilder und Schnitzereien bewundern kann. Die Haida sind ein Indianervolk aus Kanada, eine der First Nations. Die ausdrucksstarken Bilder mit kräftigen Farben, geschwungenen Linien und einfachen Formen beeindrucken mich. Für mich als Grafikdesignerin eine tolle Inspiration. Von einem Native mit deutschen Wurzeln habe ich eine aus Zedernholz geschnitzte Feder abgekauft, er konnte sogar ein paar Brocken deutsch. Er saß an der Straße und hat geschnitzt. Galerien mit Holzschnitzereien, Gemälden, Kunstdrucken, und Poster finden sich in Vancouver an jeder Ecke. Überraschender Weise auch Schmuckgeschäfte mit Schmuck aus gründer Jade. Ja Jade, deren Ursprung man eigentlich in China oder zumindest Asien vermuten würde. In British Columbia gibt es ebenfalls ein Jadevorkommen, wer hätte das gedacht?

Fahrradtour durch den Stanleypark

Totempfahl im Stanley Park, Vancouver

Totempfahl im Stanley Park

Als wir Fahrräder ausleihen möchten, um durch den Stanleypark zu fahren, ist mein ehemaliges Hostel wieder unsere erste Anlaufstelle. Natürlich möchte man meine Zimmernummer wissen. Ich gebe meine alte an, eigentlich müsste bei Überprüfung rauskommen, dass ich gar kein Gast mehr bin, aber auf einen Versuch lassen wirs ankommen. Und siehe da, es kümmert niemanden, schließlich zahlen wir für die beiden Fahrräder. Wir steigen auf und brausen den Berg hinunter, herrlich. Der Regen macht Pause, die Sonne scheint. Wir fahren den Seawall entlang, er verläuft rund um den ganzen Park. Der Seawall heißt nicht umsonst Seawall, man ist ganz nah am Meer, da der Park eine Halbinsel ist. Wir fahren an den berühmten Totempfählen vorbei, dort stoppen wir, um Fotos zu machen.

West End Farmers Market

West End Farmers Market Wegweiser

Zum Farmers Market

Immer Samstags findet in der Nähe des Nelson Platz der West End Farmers Market statt. Hier wird regional angebautes Gemüse, leckeres Brot, selbst hergestellter Käse, leckerer Kaffee und vieles mehr angeboten. Von den Berliner Märkten und Flohmärkten verwöhnt, hat mich das zunächst nicht sonderlich beeindruckt, trotzdem schlender ich sehr gerne über solche Märkte. Der West End Farmers Market ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Die lockere Atmosphäre, das leckere Essen, der Kontakt mit Einheimischen sprechen für sich. Man darf viel kosten und die Zucchini- Feta Scones die ich mir als kleinen Nach-Frühstücks Snack gönne, schmecken hervorragend, der frisch aufgebrühte Kaffee am Stand daneben ebenso. Das Obst und Gemüse leuchtet reif und farbenfroh. Wir nehmen uns etwas Thai-Basilikum und Pak-Choi mit – später wollen wir asiatisch kochen.

Schattenseiten einer Stadt

Vancouver ist ohne Zweifel eine Stadt mit viel Lebensqualität. Trotz der ganzen Schönheit oder gerade deshalb haben mich die vielen Drogensüchtigen, die wie selbstverständlich zum Stadtbild gehören, schockiert. Wo die Sonne scheint ist auch Schatten. Von Berlin bin ich ja einiges gewöhnt, in Vancouver scheint es mir noch extremer zu sein. In einigen Ecken Vancouvers nimmt man den typisch süßlichen Grasgeruch wahr, Junkies stehen an Straßenecken und setzen sich ihren nächsten Schuss, ganz selbstverständlich. Menschen mit eingefallen Gesichtern, dem Tod näher als dem Leben, stehen neben mir an der Ampel, zitternd. Andere haben sich aus Kartons ein Haus gebaut, mitten auf dem Gehweg, bürsten sich die Haare, wippen dabei wie irre vor und zurück, es gehen Geschäftsleute vorbei. Arm, drogensüchtig, halbtot, wohnt wo reich, erfolgreich, voller Pläne zur Arbeit geht. Ist es in Berlin genauso, habe ich es nur nicht gesehen oder sehen wollen? Möglich. Vielleicht lebt man bewusster wenn man auf Reisen ist. Georg ein Deutscher den wir im Supermarkt beim Brotkaufen treffen berichtet uns, dass es in Kanada keine Unterstützung für Drogensüchtige gibt. Keine Hilfe beim Entzug, wer abstürzt fällt nicht in ein Netz, sondern schlägt hart auf dem Boden auf.

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