Was heißt eigentlich Schrottkarre auf englisch? Ein Blick in die Übersetzungsapp sagt uns: Lemon. Passender Name für den Camper, beschließen wir als er schon wieder liegen bleibt. Doch zurück nach Princeton. Wir verlassen den schönen Campingplatz, besorgen noch ein Sixpack Bier im Liquorstore für unseren lieben Mechaniker, als kleines Dankeschön. Schnell noch zur Dumpingstation, dort füllen wir unsere Wasservorräte auf, dann geht’s zurück zu Marios Towing Group. Dort wird uns gesagt, dass man sich wohl erst ab 13:00 Uhr um uns kümmern kann, zu viel zu tun. Also bis 13:00 Uhr warten. Wir schlagen die Zeit im Visitor Center der Stadt tot, informieren uns was die Umgebung zu bieten hat, wenn man fahrtüchtig ist.

Zurück bei der Werkstatt treffen wir unseren Abschlepper Taylor wieder, er hat nicht mit uns gerechnet – seine Verwunderung ist groß: Was machen die Deutschen noch hier? Wir bringen ihn auf den Laufenden. Er hat gerade zwei Mädels abgeschleppt, ihr Van hat schlapp gemacht. Die Mechaniker üben sich im Multitasking. Parallel wird nun an unserem Camper und an dem Van gearbeitet. Wir unterhalten uns mit den Mädls. Sie kommen ursprünglich aus Frankreich, nach 7 Jahren in Quebec und Montreal, haben sie die kanadische Staatsbürgerschaft erworben. Das Kapitel Kanada schließen sie jedoch gerade ab, das Heimweh ist zu groß geworden. Als Abschluss touren sie durchs Land, bevors zurück nach Frankreich geht. Bei ihnen ist es zum Glück nur die Batterie, ist schnell ausgetauscht und der Schaden hält sich in Grenzen. Sie atmen auf, ihren Van können sie noch verkaufen.

Lemon spricht nicht, wenn er es könnte würde er uns vielleicht mitteilen wo es ziept und drückt. Warum die Blinker nicht gehen wie sie sollen, bleibt ein Rätsel. Unser Mechaniker hat nachgedacht, nachts ist ihm der Einfall gekommen, dass es ganz einfach sein könnte. Kaputte Kabel. Er legt sich unter das Auto und sieht schnell, dass er Recht hat. Ein paar Kabel sind geschmolzen. Nach einer halben Stunde hat er die kaputten Teile ersetzt. Der vordere linke Blinker streikt noch immer. Er schraubt ihn auf – oha… das Lämpchen ist weg, eventuell einfach weggeschmolzen. Nicht so schlimm, alles andere ist Ok, wir können weiterfahren. Erleichtert nehmen wir Abschied, unseren Mechaniker überreichen wir das Bier, er freut sich. Phil umarmt mich zum Abschied, er mag uns, wir sollen vorbeikommen wenn wir wieder in der Gegend sind. Noch besser würde es ihm gefallen wenn ich nach Princeton ziehe, dann könnten wir Nachbarn sein, meint er. Ich beschließe den Jungs eine Karte zu schreiben wenn ich wieder zurück in Deutschland bin. Die Panne war ein Drama aber wir haben in unserer Misere liebe Menschen getroffen, das gibt uns trotz allem ein warmes, beglückendes Gefühl. Der Abschied von den Franzosinnen ist ebenfalls herzlich, wir vergleichen unsere Routen, vielleicht sieht man sich wieder in Banff, wer weiß das schon? Weiter geht’s. Wir winken als wir die Werkstatt verlassen, ein kleiner Abschied.

Optimistisch unsere Reise ohne weitere Komplikationen fortsetzen zu können, fahren wir weiter Richtung Rockies. Der Camper läuft gut, die ersten Berge nimmt er ohne Probleme, das stimmt uns versöhnlich. Wir kehren Princeton den Rücken zu, wollen es bis Osoyoos schaffen und dort schlafen, so der Plan. Unser Camper ist ein Opi in Autoleben. 40 Jahre alt, er würde gerne in Rente gehen, wenn er könnte, aber wir treiben ihn Berge hoch, zwingen ihn zu Leistungssport obwohl er altersschwach und müde ist. Er schnaupt, gurgelt und stoppt. Deja-Vu: Wieder ein Berg, wieder eine Kurve, wieder zum Sonnenuntergang. Alex schluckt – er hat nur noch zwei Anrufe beim CAA übrig, dann müssen wir den Abschleppdienst selbst zahlen… Mist.

Ein paar Meter weiter ist eine Parkbucht, dort steht ein kleiner Jeep. Wir haben Glück, ein Pärchen steigt aus und kommt auf uns zu. Die Frau umarmt mich mit den Worten: I can feel your pain. Wie schön, ich muss schlucken und gleichzeitig lächeln. Die beiden sind gerade in ihren Flitterwochen und schon fünf mal liegen geblieben. Gute Bewährungsprobe für frisch Vermählte denke ich. Zusammenhalt ist in solchen Situationen wichtig, das haben wir schon gelernt. Zu unserem Glück haben sie an ihrem Jeep eine kleine Seilwinde angebracht. Sie schlagen vor uns von unserer ungünstigen Stelle in die Parkbucht zu ziehen. Ob das gut geht? Der Camper wiegt immerhin um die 4,5 Tonnen. Ich blicke skeptisch und setzte mich zurück auf den Beifahrersitz. Alex stellt den Camper auf Parken – Automatikschaltung, langsam zieht uns der Jeep nach oben, er hat spürbar mit dem Camper zu kämpfen. Kurz vor der Parkbucht müssen wir stoppen, der Motor des Jeeps war zu heiß gelaufen, aber wenigstens stehen wir nicht mehr auf der Straße. Das Pärchen wartet noch etwas mit uns, der Motor des Jeeps soll noch etwas abkühlen. Ziehen wollen sie uns nicht mehr, das Risiko eines Motorschadens wäre zu groß, verstehen wir.

Sie warnen uns noch vor den kleinen fiesen Kakteen die fürchterlich schmerzen wenn man reintritt und vor Klapperschlangen und ziehen weiter. Klapperschlangen? Na super, Bären, Elche und wegen mir Cougars gerne, aus sicherer Entfernung, aber Klapperschlangen? Lieber nicht. Schnell weg hier denke ich. Alex möchte noch warten mit dem Anruf beim CAA – nur noch zwei Anrufe! Er blickt unter die Motorhaube, startet den Camper, immerwieder. Siehe da – plötzlich ist wieder Benzin in der Benzinpumpe. Wir beschließen es zu versuchen. Lemon die Schrottkarre hatte wohl beschlossen uns noch in die nächste Stadt zu bringen – der Motor springt an, schnurrt und rattert als wäre nichts gewesen. Jeder Berg ist eine Herausforderung und verursacht Herzklopfen. Wir schaffen es bis Osoyoos, eine Stadt weiter – bis zur nächsten Panne?